Prozesse

Prozesse

Selbstorganisierende Malerei

Materie besitzt die Fähigkeit sich selbst zu organisieren. Seit dem Urknall bildet sie Strukturen aus, die sich allein aus den inneren Wechselwirkungen ihrer Bestandteile ergeben ohne Zielvorstellung oder gestaltbildenden Eingriff von außen. Ein Ergebnis dieser Entwicklung sind wir selbst, wodurch wir auch ein Parameter dieses Entwicklungsprozesses geworden sind. Unter welchen Bedingungen oder Voraussetzungen Strukturbildungsprozesse zu neuen Ausformungen führen können, untersucht die wissenschaftliche Erforschung dynamischer Systeme.

 

Für den künstlerischen Schaffensprozeß lassen sich aus diesen Erkenntnissen eine Vielzahl neuer Ausdrucksmöglichkeiten für die Kunst ableiten. In der spielerischen Auseinandersetzung mit morphodynamischen Prozessen klinkt sich der Künstler in den Entwicklungsprozeß ein. Ein Ausdruck dieses neuen Selbstverständnisses sind die Bilder, die sich selber malen.

Um diese neue Sehweise künstlerisch darzustellen entwickelt Volkhard Stürzbecher neue Verfahren der Bildherstellung. In diesen neuen Techniken ist der Künstler nicht mehr der alleinige Schöpfer des Kunstwerkes, sondern die Eigendynamik und Kreativität der Materie spielt im Gestaltungsprozess eine gleichwertige Rolle.

Unter dieser Perspektive untersucht Stürzbecher Naturprozesse, die selbständig Muster bilden: Wellen, Falten, Blasen, Verästelungen usw. Er erzeugt diese Strukturen in Flüssigkeiten wie Öl, Wasser oder chemischen Lösungen aber auch in Sand, Papier und anderen natürlichen Stoffen. Indem er diese Materialien physikalischen Kräften aussetzt wie z.B. Hitze oder Druck, bilden sich spontan hochgradig geordnete Muster. Die Entstehung der Form (Morphogenese) wird zum Thema der Kunst.